Wann es Sinn macht, eine Innovation nicht selbst zu entwickeln, sondern auf bestehende Plattformen aufzuspringen

Viele Unternehmen in Österreich sind Innovationsführer in ihrer spezifischen Nische. Oft vom Erfindergeist des Gründers angetrieben, werden von Wien bis Vorarlberg innovative Konzepte und Lösungen erdacht, umgesetzt und kommerzialisiert. Es verwundert also kaum, dass Innovation in Österreich regelmäßig damit assoziiert wird, alles von Grund auf selbst zu machen. In einer zunehmend digitalen Welt, wo die Branchengrenzen verschwimmen, resultieren aus diesem Ansatz jedoch erhebliche Nachteile: Eigenentwicklungen von Null weg kosten potenziell viel Zeit und Geld und sind mit erheblichem Projektrisiko verbunden, insbesondere wenn die Ansprüche der Nutzer von den Lösungen amerikanischer Tech-Konzerne mit Milliardenbudgets geprägt sind. 

Anders gesagt: Es kann einem Automobilhersteller eigentlich nicht gelingen, ein besseres Navigationssystem selbst zu entwickeln, als Google das mit Maps bereits anbietet. Umgekehrt: Ein Fahrzeug, das mit Google Maps ausgestattet ist, wird dem Nutzer tendenziell sogar ein besseres Erlebnis bieten und die Entwicklungskosten des Herstellers gleichzeitig senken. Volvo geht mit der neuen Marke Polestar aktuell gerade diesen Weg. Dasselbe gilt im Online-Vertrieb: Wenn ich neuartige Produkte und Services online vertreiben will, ist es nicht notwendig, auch den Web-Shop selbst von Null auf zu entwickeln. Der Erfolg vieler erfolgreicher Startups beruht zu nicht geringen Teilen darauf, wirklich nur den Kern der eigenen Lösung von Beginn an selbst zu entwickeln, andere Teile zuzukaufen und erst bei Erfolg weniger wichtige Teile nachzuziehen.

Wir plädieren dafür, dass sich auch etablierte Unternehmen der “Build-Partner-Buy-Frage” ergebnisoffen nähern und sich klar vor Augen zu führen, was die wirklichen Differenzierungsmerkmale der eigenen Lösung sind und in welchen Bereichen Technologie lediglich einen Hygienefaktor darstellt. Natürlich sollten dabei Szenarien durchgespielt und neben den rein technologischen auch strategische Fragen berücksichtigt werden. Im Falle von Google Maps im Auto könnte das Ergebnis auch sein, dass man die digitale Schnittstelle zum Fahrer eben nicht Google überlassen will - die Implikation wäre dann jedoch, aus wirklich vollen Rohren zu schießen und nicht eine halbherzige Lösung anzustreben. Ebenso ist eine Build-Partner-Buy Entscheidung nicht automatisch für immer: Selbst wenn ein Unternehmen zum Schluss kommt, eine Lösung heute selbst bauen zu müssen, weil es keine passende Basis gibt, kann es sein, dass in zwei Jahren ein offenes Software-Framework existiert, das alle Anforderungen besser erfüllt, als die vormals selbst entwickelte, eigene Lösung. Dann sollte man sich nicht zu fein sein, die vergangene Entscheidung zu revidieren!


gruppe1031-Experten:

Georg Haschke, DR.OWL Nutri Health GmbH
Lukas Meusburger, vlabs innovation gmbh

Jetzt Mitglied werden

Interessieren Sie sich für eine Mitgliedschaft in der gruppe1031? Hier geht's zum Onlineformular.

Was wir tun | Wer wir sind | Satzung

Unsere nächste Veranstaltung

14
Dec
2021
Clubabend der gruppe1031

Was klassische Wirtschaftsunternehmen von uns lernen können

14. Dezember 2021 19:00 – 20:30
Dies ist eine Online-Veranstaltung

Referentin: Elisabeth Kuntner, Leiterin der Werkstätte der Jugend am Werk GmbH